Die Stadt gehört uns: der „Planacker“ in Kreuzberg

Gemeinsam mit Anwohnern hat der AK Rote Beete Ende 2017 eine 400 m² Wiese im Herzen von Kreuzberg mit einer Bienenweide geschmückt. Wie kamen wir auf die Idee?

Wie kam der AK Rote Beete auf die Idee, die verranzte Grünfläche an der Kottbusser Brücke/Planufer zu beackern?

Cléo Mieulet: Wir haben uns intensiv mit dem Thema „Essbare Stadt“ auseinandergesetzt. Regionalisierung der Lebensmittelproduktion, Umstellung der städtischen Bepflanzung auf ernährungsrelevante Pflanzen. Dazu gehört auch Flächen in der Stadt so zu gestalten, dass sie Biodiversität fördern, Bestäubern Nahrung geben. Das Grünflächenamt hat zu wenig Geld wie Personal, stoßen wir es also selber an.

Die Fläche ist ca. 400 m² groß, da braucht es viele Leute? Wer war beteiligt?

C.M.: Wichtig war der Kontakt zum Imkerverein Kreuzberg, die haben uns beraten, welche Saat auf dieser Fläche sinnvoll wäre. Wir haben eine Grundschule mit ins Boot geholt, um die im Umfeld lebenden Kindern einzubeziehen. Somit hatten wir schonmal die Bedingungen des Grünflächenamtes erfüllt, Professionalität und Umweltpädagogik. Ich nahm die Organisation vor Ort in die Hand, das Quartiersmanagement hat uns finanziell unterstützt. Dann haben wir auf einer Nachbarschaftsplattform und mittels Aushängen die Aktionen angekündigt, um die Grasnarbe zu entfernen und zu säen. Die Resonanz war großartig, viele Spender_innen haben Pflanzen dazu gesetzt. Später haben wir noch eine Wildobsthecke mit alten, seltenen und regionalen Sorten gepflanzt und bedrohte Gräser vom Projekt „Urbanität und Vielfalt“ bekommen. Die Tauben haben anfangs von der Saat nichts übriglassen, aber dann…

…. ja, wie sieht der "Planacker" heute aus?

C.M.: Es dauerte fast 4 Wochen, bis etwas zu sehen war. Dann verwandelte sich die Fläche in ein lilagelbes Meer, Phazelien und Raps blühten, noch sind viele Calendula und Sonnenblumen zu sehen. Schnell hat sich bei den Insekten rumgesprochen, dass es hier lecker ist, wir hatten unzählige Bienen, Hummeln und sogar Libellen zu Besuch. Vögel siedeln sich an. Der Effekt ist unverkennbar. Unsere Fläche funktioniert, sie ist bei allen beliebt, kaum eine Blume wird gepflückt, weniger Müll hineingeworfen. Die Nachbar_innen kommen ins Gespräch miteinander, übernehmen gern ein Stückchen Verantwortung. Wir wollten zeigen, dass es einfach geht. Wir hoffen auf Nachahmung!

Wie soll es mit Eurer Idee "Essbarer Bezirk" weitergehen?

C.M.: Wir haben ein Konzept dazu verfasst und demnächst bringt unsere BVV-Fraktion einen Antrag ein.
Cléo Mieulet arbeitet im AK Rote Beete für sozial-ökologischen Umbau der LINKEN Friedrichshain-Kreuzberg mit (Kontakt: planacker@posteo.de)